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Wenn der Lack einmal ab ist …

Bei ihm weiss man, woran man ist. Werner Villiger redet gerne – am liebsten Klartext. «Schlecht» seien die Schilder «zwäg» gewesen, «sehr viel Gebastel». Ein Glück, sind sie nun in seinen Händen gelandet. Denn da, wo bei anderen der Spass aufhört, beginnt er beim Murianer Kunstschlosser erst. Das beschere ihm zwar hin und wieder eine schlaflose Nacht. «Aber das Lässigste für mich ist es, wenn ich nicht auf Anhieb eine Lösung parat habe», sagt er. «Und wenn es am Ende dann trotzdem richtig gut kommt.» 

So war es auch bei den beiden Wirtshausschildern von «Adler» und «Ochsen». Diese haben von aussen zwar gar keinen schlechten Eindruck gemacht. Doch als der Lack einmal ab war, kam darunter wenig Erfreuliches zum Vorschein. Rost in erster Linie. Also blieb Villiger nichts anderes übrig, als die Schilder zu zerlegen, jedes Teilchen abzulaugen und danach mit Glasstrahlen zu reinigen. «Danach kann man sie erst richtig reparieren», sagt er. 

Was das in der Praxis bedeutet, zeigt der Werkplan des Ochsen-Schilds, der in seinem Atelier liegt: Das barocke Kunstwerk ist überladen und üppig geschmückt, vor allem mit kleinen Blättern, die im Laufe der Jahrzehnte mit allem Möglichen zusammengebastelt und geflickt wurden. «Wir mussten Blättchen für Blättchen aufbohren, staubstrahlen und mit Schlagnummern versehen; schliesslich müssen sie am Ende wieder an den richtigen Ort», erklärt der Restaurator. Doch dann geht’s erst richtig los. Jedes Stück muss geflickt oder ergänzt und zu guter Letzt mit kleinen Schlitzschrauben so befestigt werden, dass sich dazwischen kein Rost mehr bildet. «Das Handwerk ist dabei das eine», sagt Villiger, «extrem wichtig ist aber auch die Logistik.»

Restaurieren ist Geduldsarbeit. Und sie verlangt Respekt. Denn gerade bei einem Schild wie dem des «Ochsen», das unter kantonalem Denkmalschutz steht, geht es nicht einfach darum, es so dauerhaft und perfekt als möglich «aufzuhübschen», sondern auch darum, dies so authentisch als möglich zu tun. «Wir müssen die Sachen handwerklich so ausführen, dass man nicht auf hundert Meter sieht, was neu ist», erklärt Villiger. «Man soll das Gefühl haben, dass alles schon immer so war, wie es sich nun präsentiert.»

Nachdem Werner Villiger Schild und Ausleger restauriert hat, schlägt die Stunde von Michael Kaufmann. Der Murianer Restaurator ist für die Fassung zuständig, also für alles, was nun auf das rohe Metall kommt. Beim «Ochsen» ist dies in erster Linie Blattgold. Gerade mal einen Zehntausendstellmillimeter dünn sind die Blättchen aus 23 3/4 Karat Gold, die er zwölf Stunden nach der Grundierung anbringt. Denn nur so halten sie auch dauerhaft. Danach folgt an verschiedenen Stellen roter Lüster, ein metallisch glänzender Farbüberzug, der dem Schild den richtigen Pfiff verleiht. Das knallig grüne Schild mit der goldenen Aufschrift Ochsen ist zwar deutlich jüngeren Datums, aber nicht mit weniger Liebe wieder hergerichtet.

Und schliesslich kommt der grosse Moment: dann nämlich, wenn das Schild montiert wird. Es ist dieser Augenblick, auf den sich Werner Villiger besonders sorgfältig vorbereitet, denn vor Ort soll es keine Überraschungen mehr geben. «Da fahre ich hin, montiere das Teil und fertig.» Dass alles auf Anhieb passe, sei für ihn quasi Ehrensache. Kein Geknorze mehr vor Ort, keine Korrekturen und Notlösungen. Als er sein letztes Wirtshausschild am «Adler» in Stein montierte, erntete er dafür spontan Szenenapplaus. 

In Muri freue er sich allerdings auch ganz speziell darauf, dass sie dann wieder zusammen «i d Möscht» gehen könnten, ohne sich für die arg mitgenommenen Wirtshausschilder schämen zu müssen, erzählte er seinem Auftraggeber Josef Gut kürzlich mit einem breiten Grinsen – auch wenn er es keineswegs zum Witz meinte.
 


 

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